Transkulturelle Forschung und Ausbildung in Traditionelle Chinesische Bewegungskunst und TCM


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Kampfbewegung und Kampfkunst über Taijiquan

 

Zhu Wenjun

2006

 

Zum Verstehen: Taijiquan als Kampfbewegung und Kampfkunst.

Hintergrund: Kämpfen zwischen Chen Kefu (Meister, weißer Kranig-Stil) und Wu Gongyi (Meister, Wu-Stil Taijiquan) im Jahr 1954 in Macau

 

Ich habe den traditionellen chinesischen Kampf in „Kampfkunst“ und „Kampfbewegung“ unterschieden. Die „traditionelle chinesische Kampfkunst“ und die „Kampfbewegung“ sind verbunden und doch unterschiedlich. Die „traditionelle chinesische Kampfkunst“ und die „Kampfbewegung“ bilden als Einheit den „traditionellen chinesischen Kampf“. Beide sind zwei Stufen in dem Kampf. Der „Weg der Kampfkunst“ geht der von „Kampfbewegung“ zur „Kampfkunst“. Die Kampfbewegung ist die Grundlage der Kampfkunst. Die Kampfbewegung ist der Träger der Kampfkunst. Die Kampfkunst wird durch die Kampfbewegung erzeugt. Ein Vergleich: Ein schönes Bild besteht aus verschiedenen Farben. Wenn es aber keinen Träger gibt, z.B. Papier, wo sollen dann die Farben bleiben? Wo ist dann das Bild? Wenn man auf eine ähnliche Weise die Kampfkunst von der Kampfbewegung abtrennt, als ob es sich um zwei getrennte Wesen handele, dann ist das so, als wenn man die Farben von ihrem Träger trennt. Also kann man die Kampfkunst nicht von der Kampfbewegung trennen!

Wenn die Kampfbewegung zur Kampfkunst wird, dann gibt es schöne, lebendige Farben. Das Schöne des Schmetterlings kommt aus der Schmetterlings-Larve[1]. Das schöne Leben des Schmetterlings umfasst zwei Teile, die eine Einheit sind. Wegen der unansehnlichen Schmetterlings-Larve kann man nicht leugnen, dass der Schmetterling schön ist. Das Schöne des Schmetterlings kommt aus seinem ganzen Leben.

Das Leben des traditionellen chinesischen Kampfs ist sein Ganzes, „Kampfbewegung und Kampfkunst“. Die Kampfbewegung ist die Bewegungs-Methode, sie zeigt, wie man sich bewegt. Man kann im menschlichen Körper selbst fühlen, dass man sich stark bewegt hat, sich koordiniert bewegt hat. Durch die Bewegung sucht man die Einübung und Koordinierung des Körpers und der Glieder. In der Kampfkunst erreicht man die Koordinierung und Harmonisierung zwischen den Körper, Umgebung und Geist. Sun Lutang hat über Baguazhang so geschrieben:

„Ältere Menschen sagten, wenn es groß ist, gibt es kein Äußeres, und wenn es klein ist, kein Inneres mehr. Wenn es sich öffnet, sind die Sechs-Verbindungen voll. Wenn es sich einrollt, ist es wie ein Geheimnis verborgen.“[2]

Der Körper zieht sich vom hohen bis zum tiefen Zustand zusammen. Der Körper wird wie in den Abgrund gezogen. „Von vorne bis hinten zuziehen“ bedeutet, den Körper in ein tiefes Loch zu ziehen.

„Der Körpers streckt sich vom Tiefsten und Kleinsten des Zusammenziehens bis nach oben, als ob die Hand an den Himmel klopft. In die Weite (waagerechte Ebene) streckt sich die Hand, als ob sie in die Ecke des Meeres sticht. Das ist die raffinierte Bedeutung des Öffnens und Schließen, ein lang Ziehen im Quan.“[3]

Aus der Bewegungs-Praxis bringe ich das Gefühl von Denken und Bewegen in die Bewegungskunst mit. Wenn ich die Kampfbewegung als eine Bewegung mache, sorge ich zuerst dafür, dass ich meinen Körper genau bewege. Ich achte darauf, wie ich meinen Körper koordiniere und übe dies ein. Dann fühle ich, dass ich die Bewegung fließend machen kann.

Dann gehe ich weiter, wie Sun Lutang es beschrieben hat. Das genaue Gefühl kommt und geht in meinem Geist. Mit mir und ohne mich, mit der Umgebung und ohne die Umgebung, mit Denken und ohne Denken ist alles harmonisch. Ich bleibe mit der Umgebung gleich. Das ist Dao des Yin und Yang:

  • Angreifen und Schützen;

  • nach vorne gehen und nach hinten gehen;

  • nach oben bewegen und nach unten bewegen;

  • nach links drehen und nach rechts drehen;

  • Bewegen und Beruhigen;

  • schnell und langsam;

  • hart und sanft;

  • voll und leer.

Keine „Bewegung“ passt nicht zu Yin und Yang. Keine „Bewegung“ passt nicht zum Dao des Taijis. Die chinesische Kampfkunst ist das Dao des Taijis. Man kann nicht durch eine „Bewegung“ schon beurteilen, wie es ist. Yin und Yang sind im fließenden „Bewegen“.


 

[1] Vgl. Tiwald, Horst: Logik und Bewegen. In: Tiwald, Horst: Bewegtes Philosophieren – Bewegen – Sprache – Erkenntnis. S. 157-168.

[2] Sun, Lutang (1860-1933): Quan Yi Shu Zhen (Die Bedeutung der Faust echt beschreiben). In: Sun, Jianyun (1914-2003): Sun Lutang Wu Xue Lu (Sammlung der Wushu-Lehre von Sun Lutang). S. 322.

[3] a.a.O.


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